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bericht tina
paroxetin

 

 

geschrieben von Tina am 04. April 2006
 
Hallo Carsten,
 
ich bin jetzt schon länger nicht auf deiner Seite gewesen, aber in dieser Zeit hat sich mein Leben auch ungeheuer verändert. Ich wollte meine Geschichte einfach mal loswerden, auch wenn Sie bestimmt noch nicht zuende ist.
 
Also, ich bin w und werde im Mai 20 Jahre alt. Ich errötete ungefähr seit der 7 oder 8 Klasse. Letztes Jahr hab ich mein Abi mit Durchschnit 2,5 bestanden und bis dahin musste ich noch allein mit dem rot werden klar kommen. Eigentlich erging es mir genau so wie vielen anderen hier. Ich hab tausend Sachen gemieden, bin nicht mehr rausgegangen, wenn es nicht unbedingt nötig war, Angst vor Referaten, ständiges erröten OHNE jeglichen Grund, im Winter hab ich mich hinter dicken Schals versteckt und im Sommer hinter der Sonnenbrille. Ich hab enorm unter dem rot werden gelitten. Dann letztes Jahr nach dem Abi hat sich was in meinem Kopf verändert, ich stand natürlich vor der Frage, wie es denn nun beruflich nun weiter gehen soll. Natürlich hatte ich vor alllem Angst, ich konnte mir einfach nicht vorstellen eine Ausbildung mit dem rot werden zu schaffen. Ich hab mich dann meiner Ma anverstraut und die ist zu unserem Hausarzt gegangen. Ich hatte ihr gesagt sie könnte das Problem ja schildern, aber eigentlich hatte ich keine große Hoffnungen, das gerade ein Dorfarzt diese Krankheit kennen wurde. Falsch gedacht. Er kannte Erythrophobie und als ich das erfahren hatte war ich enorm erleichtert hab geweint und gedacht, vielleicht gibt es doch noch Hilfe.
 
Ich bin mit meiner Ma zu dem Arzt und er hörte sich meine Geschichte an, vorher hatte ich mich über verschiedene medikamente informiert und bin natürlich auf Paroxetin gestoßen. Der arzt hat es mir verschrieben, aber bestand darauf auch eine Verhaltenstherapie zu machen. Durch Deine Seite Carsten bin ich auch die Psychotherapeutische Ambulance in Münster gestoßen und mache nun seit letztes Jahr dort eine Verhaltenstherapie und nehme Paroxetin.
 
Anfänglich habe ich 30 mg eingenommen, hat mich aber ziemlich müde gemacht. Das WUNDER --> es hat geholfen die Angst zu reduzieren. Mit Hilfe meiner Therapeutin hab ich wieder verschiedene Situationen aufgesucht, die ich sonst immer gemieden hab und der unterschied zu früher : ich blieb viel ruhiger und gelassener, das reduzierte dann natürlich auch das rot werden und stärkte meinen Mut weiter zu machen.
 
Ich bin seit dem letzten Jahr mit meinem Freund zusammen und hab ihm von Anfang an erzählt, woran ich leide. Er hat sher gut reagiert und gibt mir unglaublich viel Unterstützung.
 
Natürlich werde ich jetzt auch noch manchmal rot und es stört immer noch, aber ich meide keine Situationen mehr, ich lasss mein Leben nicht mehr durch ie Ery bestimmen und habe somit wieder Spaß am Leben, den ich eine ganz lange Zeit nicht mehr hatte. Momentan nehme ich 20 mg Paroxetin und es geht mir soweit ganz gut, im Oktober fang ich eine Ausbildung zur Krankenschwester an, und man glaubt es kaum, auch die ganzen Vorstellungsgespräche hab ich super überstanden.  Daran hätte ich letztes Jahr niemals geglaubt, aber es ist wahr geworden.
 
Ich möchte darauf hin arbeiten, das mir das rot werden egal wird und ich irgendwann ohne Paroxetin leben kann. Somit bin ich noch nicht ganz am Ende meiner Ery-Geschichte, aber ich bin auf dem besten Weg. Mir geht es momentan sehr gut, mal gibt es zwar schlechte Tage, aber die im Gegensatz zu früher sind die akzeptabel. 
 
Auch über eine Op hatte ich nachgedacht, weil ich so verzweifelt war, bin jetzt aber froh, diesen Weg gegangen zu sein.
 
Carsten, wenn du magst, kannst du meinen Bericht in das Forum stellen, ich hatte versucht mich nochmal einzuloggen, war aber solange nicht auf der Seite, da hab ich mein Passwort und meinen Benutzernamen vergessen.
 
Ich könnte noch Seiten lang meine Erfahrungen beschreiben, die ich die letzten 10 Monate gemacht habe, aber das würde den Rahmen sprengen.
 
Hiermit will ich euch aber Mut machen, es gibt wirklich Wege aus der Krankheit. Auch wenn man das in den schlimmen zeiten einfach nicht glauben mag. Das Leben kann Spaß machen, ihr müsst einfach etwas unternehmen und dürft nicht aufgeben. Probiert euern Weg zu finden, den gibt es bestimmt. Wer mag kann mir gerne auch eine e-mail schicken.
 
Danke Carsten für diese Seite, ich glaube sie hat mein Leben verändert.
 
Liebe Grüße Tina