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leidensweg
von silke

 

 

geschickt von Silke am 05. Mai 2002

Hallo ihr lieben,

bin vor einigen Wochen auf diese Seite gestoßen und habe mir allen Mut zusammengenommen um euch meine Geschichte zu erzählen. Im Grunde genommen ist es identisch mit euren.

Ich bin 25 Jahre alt und erröte seit gut 12 Jahren. Als ich es deutlich wahrgenommen habe war beim vorlesen in der Schule, ich dachte mir immer, warum wird Dir so warm im Gesicht? Ich kannte das garnicht, hatte von der 5. bis zur 7. Klasse immer eine Hauptrolle in unseren Theaterstücken. Ist heute unvorstellbar für mich!
Das hat sich im laufe der Jahre so sehr hochgeschaukelt das ich mich total abgekapselt habe von meiner Umwelt. Ich war nicht unbeliebt oder dergleichen, meine Freunde haben immer den Kontakt zu mir gesucht, aber ich habe so gut wie alles abgeblockt. Bei mir ist auch Familiär einiges schiefgelaufen, das würde zu lange dauern, alles zu erzählen. Hatte aufgrund dessen schon früh Minderwertigkeitskomplexe. Ich denke das war der Auslöser.
Irgendwann habe ich gemerkt, daß ich mir nicht mehr alleine helfen kann, es ging schon soweit das ich starke Beruhigungstabletten oder Alkohol zu mir genommen habe bevor ich irgendwo hin ging. Es ging mir sehr schlecht. Habe dann eine Gesprächstherapie gemacht um meine Vergangenheit aufzuarbeiten, in der Hoffnung das erröten verschwindet so wie es gekommen ist. War aber nicht so, es vergingen wieder 2 Jahre und ich habe eine Verhaltenstherapie begonnen, die ich nach einem halben Jahr abgebrochen habe. Es wahr der totale Fehlschlag, die Therapeutin hat am falschen Ende angesetzt, sie meinte ich solle meinen Job wechseln, mein Chef würde mir nichts zutrauen und deshalb wäre es wohl mit unter auch so. Das übliche bla,bla halt. Sie hätte schon einen 50 Jährigen Patienten gehabt der würde überhaupt nicht mehr rot werden. Ich kann das echt nicht glauben. Sie hat mich dann vor die Wahl gestellt entweder ich tue jetzt was oder ich kann gehen. Das habe ich dann auch gemacht.
Jetzt nehme ich seit 3 Wochen Zoloft und bin mir nicht sicher ob es hilft. Die Gedanken sind noch immer die gleichen. Ich möchte eigentlich auch nicht ständig Tabletten nehmen, aber was soll ich denn noch machen???
Ich möchte ein normales Leben führen, endlich aus diesem Teufelskreis heraus. Einfach aus dem Haus gehen, ohne diese ständige Angst vor dem erröten zu haben. Ganz normal in einem Cafe sitzen, bei hellem Licht, nicht nur im dunklen. Jemanden in der Stadt treffen und einfach nur reden, nicht gleich die Flucht ergreifen. Dieses verdammte erröten bestimmt mein Leben seit 12 Jahren, es ist wie in einem Gefängnis.
Ich könnte soviel machen aus meinem Leben, aber es hat wohl keinen Sinn daran zu glauben, es könnte jemals besser werden.



Silke