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bericht silke
arzt: dr. schick

 

 

geschrieben von Silke am 14. September 2002
 
Hallo Ihr lieben,

hier ist nun endlich mein ETS Bericht, den ich euch ja schon seit ein paar Wochen schuldig bin.

Also, bin am 29.07. früh morgens losgefahren, 5.45 Uhr ging mein Zug. Mein Freund hat mich zum Bahnhof gebracht, ich hatte schon ein mulmiges Gefühl.

Mit mir ist ein junger Mann eingestiegen. In Stuttgart habe ich ihn dann angesprochen, natürlich im nebeneinander herlaufen *g*. Wir hatten fast den gleichen Weg. Er fuhr bis Nürnberg, ich musste ja dort nochmals umsteigen. War wirklich eine sehr nette und lustige Ablenkung für mich. Was ich leider nicht berücksichtig hatte, war einen Platz zu reservieren. Es war so voll das ich mich dreimal umsetzen musste. Toll, dachte ich. Fängt ja gut an. Dementsprechend bin ich dann auch um 11.00 Uhr in Erlangen ausgestiegen. Habe mir dann ein Taxi genommen um an die Klink zu gelangen. Ich war eh schon zu spät. Aufnahme ist nämlich nur bis 11 und ich war schon über der Zeit.

Im Krankenhaus angekommen, musste ich mich erstmal anmelden, das war schnell erledigt. Dann aber ging die Suche los. Da ich leichte Orientierungsprobleme habe, war es eine herzerfrischende Suche für mich. Ich dachte ich laufe im Kreis. Na ja, irgendwann habe ich dann die Station B2 gefunden.

Die Klinik wird ja grade umgebaut bzw. ein Großteil ist schon fertig. Nur diese Station wohl noch nicht. Ich war schon leicht geschockt. Sah schon alles etwas alt aus. Außerdem ist es eine Männerstation. Dr. Schick will aber gerne seine Patienten bei sich haben und deshalb ist es wohl so die beste Lösung. Bei mir war es aber so, dass sie mich erst Dienstag erwartet haben. Ich war dann leicht durcheinander, da auf meinem Brief eindeutig Montag stand. Es war aber nur ein Missverständnis, wie sich dann herausgestellt hat.

Da in dem Fall auch kein Bett für mich frei war wurde ich auf Station B9 verfrachtet. Das ist die Privatstation. Da hatte ich wirklich Glück! Allerdings gab es auch dort nur eine Dusche für alle, und Toiletten sind auch nicht auf den Zimmern. Aber es war total sauber. Es hat mich nicht gestört.

Ich konnte dann grade mal meine Tasche in mein Zimmer bringen und dann ging’s auch schon los mit den ersten Tests. Habe Blutwerte, Thorax, EKG von zu Hause mitgebracht. Haben sie aber alles noch mal gemacht. Hätte nicht gedacht das dort so ein Programm auf mich zukommt.

Als erstes wurde ich an sämtliche Schläuche angezapft. Dort wurden meine Herzströme gemessen. Mein Puls war auf über 100 und es wurde festgestellt dass ich Herzstolpern habe. Ich hatte noch nichts gegessen und war wohl von der Fahrt auch noch leicht aufgekratzt. Das hat seinen Teil wahrscheinlich noch beigetragen. Ich musste noch in ein Röhrchen pusten und den Druck bei einer bestimmten Zahl auf der Skala halten. Mein Herz pochte in einem Wahnsinns Tempo. Der Test wurde bei ein- und ausgeschaltetem Licht durchgeführt, also Tag und Nacht. Was auch immer das zu bedeuten hat.

Dr. Schick hatte ich bis dahin noch nicht kennen gelernt, da er an diesem Tag erst aus Meran zurückkam. Stattdessen hat sich seine Assistenzärztin, Frau Dr. Sophie Kröger rührend um mich gekümmert. Es waren in dieser Woche nur 2 ETS angesetzt, eine HH-Patientin aus Bochum und ich. Das war dann nicht tragisch für sie. Sie hatte den vollen Durchblick. Vor den Tests hat sie uns auf der Station abgeholt und auch wieder dorthin gebracht. Sie ist dort absolut am richtigen Platz, das merkt man sofort. Ein ganz dickes Lob!!! Fühlte mich sehr gut aufgehoben. Auch die Schwestern waren alle sehr nett.

Nachdem mir Frau Dr. Kröger noch etwas zu essen organisiert hatte, ging’s dann gleich weiter zur nächsten Untersuchung. Die ist allerdings freiwillig, man muss dafür auch unterschreiben. Ich denke dass es dabei um die Forschung geht. Es hat wohl nichts unmittelbar mit der OP zu tun, das soll mir aber auch recht sein. Solange es etwas bringt!

Musste mich dann hinlegen, wurde wieder verkabelt. Am Bein, Arm (wg.Puls) und am Oberkörper. Dabei wurde erst ganz normal gemessen und dann musste ich in einen Monitor schauen, in dem ein grüner Balken in gleichmäßiger Geschwindigkeit hoch und runter lief. Dem musste ich meine Atmung anpassen. Also z.B. beim hoch einatmen und beim runter ausatmen. Das ging über ein paar Minuten in 2 Geschwindigkeiten.

Danach wurde mir eine art Halskrause angelegt indem sich Saugnäpfe befanden. In regelmäßigen Abständen wurde dort Luft angesaugt. Ein unangenehmes Gefühl, besonders beim ersten Mal. Das einzige Problem ist, ich weiß leider nicht mehr wozu das gut sein sollte. Es waren so viele Eindrücke für mich, ich hoffe ihr könnt mir das verzeihen. Es hat wohl irgendwas mit dem Alter zu tun. Bei älteren Menschen könnte es sein das sich dadurch Ablagerungen lösen und es dann zu Schwindel bzw. Ohnmacht kommen kann. Aber es wäre bis jetzt noch nichts passiert wurde mir versichert.

Zum Abschluss wurde noch der Schwitzneigungstest gemacht. In der obersten Etage, man hat von dort einen wunderschönen Blick über Erlangen.

Musste innerhalb von 3 Minuten, oder waren es 5??? eine Tasse frisch gekochten Hagebuttentee trinken. Danach wurde ich wieder verkabelt, an Stirn, Rücken, Oberschenkel und Hand. Das wurde dann eine viertel Stunde lang aufgezeichnet. Das Ergebnis wurde mir dann bei der Besprechung am Dienstag präsentiert.

Dann war erstmal Schluss. Habe Abendbrot gegessen und wollte anschließend noch ein paar SMS schreiben. Natürlich nicht im Krankenhaus, ist ja verboten. Bin dann raus, saß ein paar Minuten auf der Bank als ich hörte „sind sie Silke?“. Ich war gar nicht drauf gefasst, es war Dr. Schick. In Jeans und Hemd. Ich habe ihn mir ganz anders vorgestellt, er ist ein wirklich attraktiver Mann, finde ich. Das war natürlich gleich wieder ein Grund zum glühen. Mann war mir das peinlich!!! Er hat sich kurz vorgestellt, haben etwas geplaudert und dann ist er auch schon wieder verschwunden. Ich fand dass so nett, das er sich extra abends um halb 8 noch um seine Patienten kümmert.

Am nächsten Tag ging’s gleich los mit Blut abnehmen. Dann wurde ich auch schon wieder abgeholt, sind rüber in die Kopfklinik gelaufen, da waren wir übrigens öfters. Dort wurde mir ein radioaktives Mittel gespritzt. Davor musste ich noch eine Flüssigkeit zu mir nehmen, bei der es mich so was von gewürgt hat. Es ist zum Schutz der Schilddrüse.

Ein paar Stunden später wurde ich in eine Art Röhre geschoben, musste dort 30 Minuten ganz ruhig liegen bleiben. Mein Herz wurde in 3 D aufgenommen. Um die Herzströme vergleichen zu können, vor- und nach der OP. Einfach ob sich irgendetwas verändert hat. Dr. Schick hält diese Untersuchung für sehr notwendig.

Danach wurde noch der Lungenfunktionstest gemacht und man sollte es nicht für möglich halten, ich war noch nicht fertig.

Die letzte Untersuchung waren die Wärmebilder von meinen Händen. Jede Hand wurde abwechselnd für 30 Sekunden in ein Gemisch aus Wasser und Eis gehalten. Es war für mich nach 15 Sekunden kaum mehr auszuhalten, so schmerzvoll war das. Hätte ich nie im Leben gedacht, ich war richtig geschockt. Man konnte auf dem Bildschirm verfolgen wie die Hand von Dunkelblau (kalt) wieder zu gelb und rot (warm) überging. Nach der OP ziehen sich die Venen nicht mehr so zusammen wie vorher, habe ich mir sagen lassen. Hatte auch bisher keine kalten Hände mehr, ist ein sehr schönes Gefühl.

So, jetzt komm ich mal zum Tag der OP.

Konnte die Nacht vorher eigentlich recht gut schlafen. Als ich geweckt wurde, so um halb 7, habe ich gleich meine „Kampfstrümpfe“ und die sexy Unterhose angezogen. Dazu noch den komischen Umhang. Um halb 8 wurde ich dann abgeholt. Mir war dann schon leicht mulmig zumute. Aber der Anästhesist war sehr sympathisch, haben noch einwenig geplaudert als er mich angekapselt hat. Irgendwann bin ich dann eingeschlafen. Das nächste an das ich mich erinnern kann ist, als jemand zu mir sagte, Silke atmen sie! Das tat ich dann wohl auch, ich fragte gleich, wie sieht mein Auge aus? Normal, hieß es. Dann war ich schon mal beruhigt. Hatte nämlich Angst wegen des Horner-Syndroms. Die OP selber ist problemlos abgelaufen, hat mir Dr. Schick später erzählt. In 36 Minuten sei alles vorbei gewesen, er meinte es hätte anatomisch nicht besser sein können.

Habe dann das geschehen in dem Aufwachraum wie durch einen Schleier wahrgenommen. Irgendwann wurde ich dann wieder auf mein Zimmer gebracht und es ging nicht lange bis ich mich das erste Mal erbrochen habe. Habe mich sehr elend gefühlt. Aber das war mir vorher schon klar. Mir ging es nach jeder Vollnarkose schlecht. Trotz einigen Mitteln gegen Übelkeit wurde es nicht besser. Hatte bis zum nächsten Tag die Infusion dran, jedes Mal wenn ich auf die Toilette musste, ging eine Schwester mit. Der Blutdruck und Puls waren okay. War aber nicht so toll auf den Beinen. Habe auch ein Schmerzmittel bekommen, da das tief einatmen schon leicht wehtat. Wie ein Muskelkater. Husten ging gar nicht. Aber nach dem Mittel war´s super. Habe danach auch keines mehr gebraucht. Was mich total begeistert hat, waren meine Hände. Sooo schön warm und trocken und das bis heute. Es ist einfach Wahnsinn! Von den Narben sieht man übrigens kaum noch was. Sie wurden nur geklebt, nicht genäht.

Am nächsten Morgen habe ich dann versucht das erste Mal was zu essen. Ging ganz gut, für 2 Stunden. Dann kam bei den Nachuntersuchungen alles wieder hoch. Mir war sooo schlecht. Es war wirklich eine Qual für mich diese ganzen Tests noch mal über mich ergehen zu lassen. Habe dann am Donnerstag auch nichts festes mehr zu mir genommen.

Was ich ganz lieb fand war, dass Dr. Schick 2 mal nach mir geschaut hat!

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war dann etwas unruhig. Wusste schon gar nicht mehr, wie ich mich noch hinlegen sollte. Auf die Seite ging nicht so gut, das tat leicht weh. Irgendwie ging die Nacht dann doch rum und um 8 Uhr wurde ich dann zum letzten Test abgeholt. Noch mal die Hände in kaltes Wasser. Danach war ich abreisefertig. Habe noch das Frühstück zu mir genommen und noch auf Dr. Schick gewartet. Er hat sich dann von mir verabschiedet und ich bin dann um halb 10 abgedüst. Frau Dr. Kröger habe ich leider nicht  mehr gesehen. Ging dann alles ziemlich schnell.

Um 17 Uhr war ich dann zu Hause, ziemlich fertig aber glücklich dass alles gut gegangen ist!!!

Jetzt sind ca. 6 Wochen vergangen und ich kann sagen, es geht mir super!!! Meine Hände sind immer noch angenehm warm und trocken. Hatte ja leider auch unter feuchten Handinnenflächen zu leiden, z. B. bei extremer Hitze oder Nervosität. Und letzteres war ja quasi ein Dauerzustand. Ich creme meine Hände ca. dreimal am Tag ein bzw. nach Bedarf auch öfter. Aber das tun andere wohl auch ohne ETS, oder? Es ist jedenfalls in keinster Weise ein Problem für mich! Auch das CS habe ich schon erlebt, es war ja in den ersten Wochen nach der OP sehr warm. Es ist auf alle Fälle auszuhalten. Und bis zum nächsten Jahr weiß ich bestimmt, welche Klamotten ich an solchen Tagen anziehen kann. Einmal war meine Hose etwas nass, als ich aus dem Auto ausstieg. War nicht so toll, aber auch nicht schlimm. Gegen das was ich Jahrelang zuvor erlebt habe sind das nur Peanuts. Ich würde es jederzeit wieder machen, denn rot geworden bin ich seitdem nicht mehr. Ich merke schon, wie gelassen ich in manchen Situationen bin in denen ich früher fast gestorben wäre. Es ist natürlich noch ein Lernprozess. Es geht nicht von heute auf morgen, all meine negativen Gedanken loszuwerden. Ich ertappe mich auch noch dabei, zu denken, jetzt wirst Du rot. Aber umso schöner ist es, nicht zu glühen. Das hoffe ich jedenfalls, habe ja leider keinen Spiegel vor mir. Manchmal meine ich, die Hitze steigt mir in den Kopf. Aber ist es nicht so, wenn einem ein Körperteil fehlt spürt man es trotzdem noch? Ein makaberer Vergleich, ich weiß. Aber vielleicht ist es bei uns ja auch so….

Wünsche euch alles gute, für was auch immer ihr euch entscheidet!

Silke

P.S.  
Diagnosen:     Hyperhidrosis manuum und Erythrophobie
Therapie:       ETS (Clipping) T2 bds. Am 31.07.02