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bericht "rotkäppchen"
arzt: schneider

 

 

Geschrieben von "Rotkäppchen" am 01. November 2001

Hallo zusammen!
Wow, wenn ich all die vielen Beiträge zum 'heissgeliebten' Thema Erythrophobie lese, tut es richtig gut zu wissen, dass diese Leidenszeit für mich vorbei ist! Ich hatte die haargenau gleichen Probleme wir ihr alle; es war die Hölle!!! Ich litt während den letzten 6 Jahren unter dem ständigen Erröten, und zwar bei den unmöglichsten Situationen! Es war ein Teufelskreis!! Ich bin eigentlich ein aufgestellter Mensch, der sehr viel lacht und mit einem Smile durch's Leben zieht.. Seit sich aber das mit dem Erröten eines Tages einfach in mein Leben schlich, änderte sich alles schlagartig: ich zog mich zurück und traute mich praktisch nicht mehr aus dem Haus: ich lief schon rot an, wenn ich die Fussgängerzone überqueren musste und ein Auto davor anhalten musste. Der Gedanke (nur schon der Gedanke!!), dass mir die Person im Wagen zuschaute, wie ich über die Strasse lief, war Grund genug, einen hochroten Kopf zu bekommen! Es war einfach der Horror; das Einsteigen in ein öffentliches Verkehrsmittel artete jedesmal in einen vorweg verlorenen Kampf aus - das Resultat: hochrote Birne!! Egal, ob jemand im Zug meinen Blick kreuzte oder nicht: die Angst davor, rot zu werden bestätigte meine Befürchtung leider immer wieder! All die 'kleinen' Tücken beim Einkaufen, angesprochen zu werden, in einen gefüllten Raum zu treten, Blicke auf sich zu spüren.. Es endete immer wieder mit dem Erröten. Klar, anfangs war ich auch 'tapfer' und wollte mich der Angst stellen; ich probierte diverses aus, wie Medikamente, Bücher, Therapie.. aber nichts half!! ..bis ich dann eines Tages von der ETS erfuhr.. Ich zögerte keine einzige Sekunde, den entsprechenden Chirurgen anzurufen, um mir schnellstmöglichst einen Termin geben zu lassen. Ich wusste natürlich über die möglichen Nebenwirkungen Bescheid, aber so wollte ich einfach nicht mehr weiterleben; es war kein Leben für mich, so lächerlich das auch klingen mag!!!
Na ja, auf jeden Fall habe ich das mit der OP im April dieses Jahres durchgezogen.. Leute, ich kann es wirklich jedem weiter empfehlen!!! Jetzt weiss ich wieder, wie schön das Leben ohne diese belastende Sorge sein kann!!! (Ich habe Gott sei dank kein hängendes Lid davongetragen; im Uni-Spital in Zürich gab es auch nie noch einen solchen Fall, darum nahm mir dieses beruhigende Argument ein wenig die Angst.) Die Hände sind schon trockener also vorhin - ich muss sie regelmässig eincremen; allerdings ist nur die Innenseite der Hände trocken. Unter den Achseln schwitze ich viel weniger, obwohl das eigentlich nie mein Problem war.. Was ich am meisten merke, ist das Schwitzen am Rücken, das macht sich teilweise schon bemerkbar, wenn ich z.B. von der Kälte draussen in ein warmes Kaufhaus gehe.. Dieser schnelle 'Temperaturwechsel' macht sich dann meistens schwitzend am Rücken bemerkbar, teils auch am Dekollete. Aber alles in allem muss ich sagen, dass ich nie wieder so rot angelaufen bin, egal wie sehr ich mich anstrengte!!! Ich vespüre zwar noch diese typische Hitze, die mir früher wortwörtlich in den Kopf stieg, aber heute bleibt sie einfach im Bauch 'stecken'.. Sie steigt mir nicht mehr zu Kopfe,he,he! Egal was ich tue, ich laufe einfach nicht mehr rot an! Ab und zu habe ich ein klein wenig rote Bäckchen, aber die sieht man bei jedem Menschen, es ist kein Erröten an sich.
Es ist einfach traumhaft!! Ich bin viel mutiger geworden und kann mich jetzt wieder richtig aufs Ausgehen mit Freunden freuen, weil mich diese Sorge nicht mehr im geringsten plagt! Übrigens hatte ich grosses Glück, denn die Krankenkasse hat den grössten Teil der Rechnung übernommen: ich habe also nur 500.- Sfr. bezahlt.. wenn sich das nicht lohnt!!!

Sorry, dass ich einen solchen Roman geschrieben habe, aber die Freude musste einfach mal raus :-)
Also, traut euch!!

Ich hatte die OP im Uni-Spital in Zürich. Nach langem hin- und her fragen, kam ich auf die Torax-Chirurgie: diese Abtl. ist unter anderem auf Ery- und Hyperhydrose spezialisiert. Ich rief dort an, um ein erstes Gespräch mit Dr. Schneider bezüglich dem Problem zu führen. (Er hat mich nachher auch operiert.) Da ich 'nur' unter Ery. litt, hat er bei mir bewusst nicht so viele 'Ganglionen' vom Sympathikus durchtrennt - das trug dazu bei, dass ich nicht so extrem am Rücken schwitze wie andere nach dieser OP! Übrigens, es gibt sehr wenig Hausärzte, die über Ery. Bescheid wissen - erschrecken wenig!! Ich 'konfrontierte' meinen Hausarzt mit diesem ihm noch unbekannten Begriff, den ich selbst durch den Hausarzt einer Kollegin erfuhr.
Was die OP anbelangt, so sind die Spezialisten, bzw. Chirurgen vor allem in Zürich solche von den Besten: in Zürich gab es nur einen einzigen Fall von schon vielen OPs, bei dem das mit dem hängenden Lid passierte und selbst bei diesem Fall 'renkte' sich das Lid nach ein paar Monaten wieder ein!
Ich muss dir ehrlich sagen, ich habe keine Ahnung, wie teuer die OP war!! Ich fragte die Chirurgen dort, doch die wussten es scheinbar auch nicht, was mich sehr überraschte.. Ich bohrte jedoch nicht länger nach, denn meine Krankenkasse SWICA hat die Rechnung bis auf 500.-- Sfr. (Selbstbehalt) ohne Fragen oder Kommentar einfach übernommen. Der Chirurg meinte aber auch, dass die Krankenkassen bis jetzt noch nie 'nicht bezahlt' hätten.. also ich weiss nicht, ob das nur in der Schweiz so ist, aber es scheint wirklich kein grosses Problem zu sein.

Liebe Grüsse und viel Glück wünscht euch
das 'ehemalige'
Rotkäppchen :-)