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bericht rosaschnute
arzt: prof. scola

 

 

geschrieben von rosaSchnute am 25. Februar 2011

Fast 20 Jahre lang litt ich unter Erythrophobie (bin jetzt Mitte 30). Mit der Möglichkeit zur ets-OP habe ich mich allerdings erst in den letzten Monaten beschäftigt, nachdem mir wirklich NICHTS ANDERES helfen konnte. Dies ist die Liste mit den Dingen/Mitteln, die ich zuvor erfolglos ausprobiert hatte:

-        Psychotherapie (mehrjährige Gesprächstherapie)
-        Verhaltenstherapie plus Psychopharmaka-Einnahme
-        Lasern (Hautarzt)
-        hochdosiertes Magnesium von Verla (900 mg/Tag über 6 Monate)
-        Lasea (Lavendelölkapseln, die zunächst gegen die große innere Unruhe zu helfen schienen)
-        Homöopathie (persönliches Konstitutionsmittel)
-        Autogaines Training und progressive Muskelentspannung
-        Geistheilung (ja, so verzweifelt war ich!)
-        M.E.T. (Beklopfen von Energiepunkten)
-        viel, viel Alkohol vor „Angstsituationen“

Für mich blieb letztlich nur noch die OP – meine persönliche Alternative wäre gewesen, als Alkoholikerin zu enden.

Da ich in Hamburg lebe, war ich hocherfreut, die OP auch hier machen zu können, und zwar bei Prof. Scola im Krankenhaus „Groß Sand“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Dieser führt die OP seit über 30 Jahren durch, sodass er als einer der Spezialisten auf diesem Gebiet gilt (auch wenn er glaube ich lange Zeit nur Hyperhidrose-Patienten operiert hat).

Das Vorgespräch

Prof. Scola habe ich als einen sehr sympathischen, zugewandten und kompetenten Arzt empfunden. Er fragte mich nach meinem Leidensweg sowie danach, was ich schon alles dagegen ausprobiert hätte. Dann klärte er mich über den Ablauf sowie über die Risiken der ets-OP auf: Horner-Syndrom (hat er übrigens noch bei keinem seiner Patienten erlebt!), kompensator. Schwitzen, „normale“ Risiken der Vollnarkose etc. Zur Kostenübernahme sagte er noch, dass es da keine Schwierigkeiten seitens der Krankenkasse geben würde (erst recht nicht, da ich auch noch unter Hyperhidrose litt).

Da die OP meine letzte Hoffnung war, machte ich hierfür direkt einen Termin aus – und zwar schon für 2 Wochen später, da jemand anderes abgesagt hatte und ich zum Glück privat versichert bin; sonst hätte ich mind. 6 Monate warten müssen.

Die OP

Die normale Aufenthaltsdauer wegen einer ets-OP in der Klinik ist Montag bis Freitag: Am Montag erfolgten die Voruntersuchungen, am Dienstag die 1. OP (bei mir: rechte Seite), am Donnerstag die 2. OP.

Zu den Voruntersuchungen, u.a. zur Feststellung meiner Narkosefähigkeit, zählten ein Kurz-EKG, Blutdruck messen, Röntgen der Lunge, Urinprobe, Blutabnahme. Zum Glück war alles in Ordnung! Die Nacht vor der 1. OP konnte ich kaum schlafen, da ich Panik vor der Vollnarkose hatte. Meine Angst war, einfach nicht mehr aufzuwachen.

Dienstag morgen gegen 7:15 musste ich eine Beruhigungstablette und noch irgendwas (ich glaube, Cortison?) schlucken. Gegen 7:30 wurde ich in den OP-Raum geschoben, ich bekam die „Schlafmaske“ auf und dann ging alles ganz schnell...

Ich glaube gegen 9:00 wachte ich wieder auf und mein 1. Gedanke war: Oh Gott, ich lebe!!! Ich hatte Schmerzen im Brustkorb, bekam aber gleich ein Mittel dagegen, sodass es mir insgesamt recht gut ging. Die OP war gut verlaufen und ich konnte noch am gleichen Tag aufstehen und herumgehen ohne all zu große Schmerzen zu haben. An diesem Tag wurde noch regelmäßig mein Blutdruck gemessen. Was ich sofort bemerkte, war, dass meine rechte Hand ganz warm und trocken war und ich auch unter der rechten Achsel nicht mehr schwitzte. Das allein war schon einmal toll!!!

Letztlich verlief auch die 2. OP genau so gut wie die erste – auch wenn ich vorher wieder die gleiche Todes-Panik vor der Narkose entwickelte!

Nach der OP

Die 1. OP ist jetzt 1 Woche her. Seitdem schwitze ich nicht mehr an den Händen und auch nicht unter den Achseln. Wunderbar :-) Mit dem kompensatorischen Schwitzen habe ich bis jetzt zum Glück keine Probleme und bin gespannt, ob das auch im Sommer so bleibt...

Da euch aber sicher viel mehr interessiert, wie es mir mit dem Erröten geht, komme ich jetzt dazu: Ich bin bis jetzt noch nicht wieder rot geworden!!! Ich habe seit der OP schon Situationen erlebt, in denen ich früher ganz sicher hochrot angelaufen wäre (z.B. heute, als ich mich mit einer Kollegin über das Thema „Sexualkunde“ im Sachunterricht unterhalten musste).

Ich merke, wie ich aus Gewohnheit fluchtmäßig den Raum verlassen möchte, wenn es „brenzlig“ für mich und meine Gesichtsfarbe wird. Ich spüre dann auch ein komisches Gefühl, so als würde anstatt des Blutes eine Art Druck in meinen Kopf steigen. ABER ES IST TATSÄCHLICH NUR EIN DRUCKGEFÜHL UND KEIN ROT, das konnte ich heute im Spiegel kontrollieren.

Irgendwie ist mir die ganze Sache noch nicht geheuer, denn ich kann einfach nicht glauben, dass ich nach fast 20 Jahren nicht mehr rot werde!

Aus diesem Grund bin ich auch nicht euphorisch, sondern eher abwartend-hoffend. Es wäre einfach zu schön, um wahr zu sein, dass diese Sch... ein Ende hat! 

Ich werde euch auf dem Laufenden halten und drücke jedem einzelnen die Daumen, dass er/sie seinen persönlichen (Aus-) Weg findet. Einen ganz herzlichen Dank an Carsten, der diese tolle Seite ins Leben gerufen und mir sowie ja auch vielen, vielen anderen dadurch unglaublich geholfen hat!!!

rosaSchnute