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bericht red bulle 888
arzt: dr. tarfusser

 

 

Geschrieben von Alex am 06. Juni 2002

Hallo zusammen,

das Schlimmste wäre dann schon mal geschafft. Aber nun von Anfang an.

Die Vorgeschichte ist ja bei den meisten fast gleich. Ich reiste jedenfalls mit dem Zug an. Anfahrtszeit war so ca. 8 Std. Übernachtet habe ich im Dachgeschoss des Kolpinghaus. Kann ich echt nur empfehlen. Sehr nette Leute an der Rezeption und das Zimmer war auch genial. Mir war ein TV wichtig (wegen der WM*g*).
Ich ging abends noch Essen in der Stadtmitte und hab mich echt vollgefressen. Danach bin ich um 0 h ins Bett und um 7h wieder aufgestanden und mich sofort geduscht und unter den Achseln rasiert.

Dann um 7.45h ging ich Richtung Klinik. Von außen sieht es ja irgendwie wie ein Kloster aus. Ach ja, wer mal Fotos will, soll es mir einfach nur schreiben.
Am Empfang in der Klinik waren 3 Damen und darunter eine wie ich finde sehr hübsche. Jedenfalls war das Licht dort so grell, dass es nicht so schlimm rüberkam, dass ich erröte. Jedenfalls bat mich gleich eine Krankenschwester ihr zu folgen. Keine 5 Min. später stand er vor mir. Der Mann, der mein Leben verändern soll, Dr. Tarfusser. Und ich muß sagen, ein echt sehr netter Mensch. Äußerlich eine Mischung aus Mr. Bean und Sachsen-Paule, aber echt voll symphatisch. Wir gingen in den Keller, wo noch ein Raum für uns frei war.
Ich erzählte ihm meine Leidensgeschichte und er notierte sich einiges daraus. Dann wollte ich noch was erzählen und merkte, dass Ery gleich wieder kommt und er sah es dann deutlich. Er meinte er sieht es, nur es kommt nicht so deutlich rüber, da ich einen Sonnenbrand hatte vom Sonntag(Fußballspiel). Er sah es auch an meinen Augen sagte er, die wurden größer und sie wurden etwas gläsrig.
Dann erzählte er mir noch viele lustigere Sachen. Einer hatte sich mal operiert lassen und wurde nicht mehr rot. Nur so wollte er dann nicht weiterleben und hat sich dann tatsächlich die Klammern wieder entfernen lassen, um wieder rot zu werden. Krass, oder??
Wierrum eine andere Dame kam aus Irland, also etwas rötliche Haare, aber weiß wie die Wand. Die war aber im Gesicht so geschminkt als sei sie ein Neger. Als sie die Schminke entfernten, wurde Sie wahnsinnig rot sagte Tarfi. Ein Rot wie er es vorher noch nie gesehen hat.
Am Ende des Gesprächs sagte ich zu ihm, dass ich hoffe dass alles gut geht, denn zumindest ist ja noch keiner dabei gestorben. Jedoch erzählte er mir dann, dass wirklich mal 2 gestorben sind, aber das in England war und der Doc dort nicht mehr operieren darf. Verständlicherweise...

Dann ging wirklich alles sehr schnell. Auf dem Weg zu meinem Einzelzimmer kam auch schon Dr. Friedrich. Wie ich finde auch ein sehr netter. Machte auch den einen oder anderen schlechten Witz, aber so stufte ich ihn ja vorher schon ein. Er nahm mir auch die schönen Strümpfe und das Leibchen mit, das ich anziehen soll. Alles andere, wie Piercings, Schmuck usw. mußte dann runter.
5 Min. später war es soweit. Ich wurde auf einer Bahre in den OP-Saal geschoben. Ich lag da, die Arme ausgebreitet und Dr. Friedrich spritzte mir zuerst 2 Medikamente rein und dann nur noch eins und sagte ich soll tief durchatmen, das sagte er dann nochmal und beim letzten mal sagte er"Nun denken sie an was schönes".
Fand ich voll nett von ihm. Schließlich wusste er was ich mir wünschen werde. Nämlich ein Leben ohne Ery!!

Die OP dauerte 70 Minuten. Danach weiß ich nur, dass ich in meinem Zimmer aufwachte und der Puls gemessen wurde. Doc Tarfusser kam dann rein und sagte dass alles gut verlaufen ist und nun zwischen TH1 und TH 2 geklammert worden sei.
Nun zu mir, ich selbst hatte keine Schmerzen!! Mir war nicht mal schlecht. Nur wenn ich tief eingeatmet habe oder gehustet habe, gabs ein Stechen im Brustbereich. Das aber ganz normal sei und bald weg ist.
Plötzlich bemerkte ich auch meine trockenen Hände. Aber ich habe mir das schlimmer vorgestellt. Die sind zwar warm und trocken, aber ich muß sie mir nicht ständig eincremen.
Was sehr krass war, war das Schwitzen an den  Beinen. Die Strümpfe waren völlig nass und an den Füßen selbst hatte ich richtige Schweißperlen dran. Am Bauch schwitze ich fast gar nicht und Rücken auch nicht. Das blieb auch bis jetzt so. Die Füße sind aber meist kalt.
Die OP-Wunde schmerzt auch etwas. Aber ist auch nicht so schlimm.

Was sehr lästig war, war das ständige Pulsmessen. Immer wieder wenn ich eingeschlafen wäre kam so eine Schwester rein. Zum Glück war die Nachtschwester eine Deutsche. Die anderen vorher und auch am Tag der Abreise habe ich ja überhaupt nicht verstanden. Waren nur Italienerinnen. Aber viel hat man mit denen eh nicht zu tun. Nur eben die Messerei. 3 Std. glaube ich wurde der Puls ¼ stündlich gemessen, dann nur noch ½ stündlich und ab 2h nur noch stündlich. Der Puls lag immer so zwischen 45 und 60. Also ziemlich ok.
Schmerztablette habe ich nur eine bekommen. Und die hätte auch nicht unbedingt sein müssen.
Ich atme nun mehr durch die Nase. Da tut es nicht so weh, wenn ich mal tiefer einatme.
Ach ja, ich wollte mich mal zur Seite legen abends. Da merkte ich einige komische Geräusche im Magen. So ein Blubbern und das Herz hörte ich auch stark klopfen. War irgendwie sehr unangenehm, aber Doc. T. meinte es ist normal. Das sei noch von der OP und geht weg.

Am Morgen kam dann Doc Tarfusser nochmal rein und wir redeten so 30 Minuten über die OP und sonstige Sachen. Ich glaube ich habe 1000 mal DANKE gesagt, aber wie sollte ich ihm denn auch sonst danken?! Aber er sah mir es denke ich an, wie glücklich ich war.

Dann um 9.30h habe ich die Klinik verlassen. Ich ging mit einem super Gefühl aus dem Hotel. Schon beim Zahlen wurde ich nichtmal nervös.( So ca.2.998 €)
Aber eins muß ich sagen. Mit dem Auto hätte ich nie zurückfahren können. Das wäre mir zu anstrengend gewesen. Kleinere Sachen wie den Rucksack nehmen oder sich mal bücken waren schon nervig und ich mußte tief durchatmen.

Im Zug dann beim Heimfahren saß ich mit 5(!!!!!) Frauen im Zugabteil. Also normal der Horror pur. Aber 3 von denen lasen ein Buch und 2 unterhielten sich auf eine komische Sprache.
Dann dachte ich mir jetzt oder nie und redete die blonde hübsche Frau gegenüber von mir an und sie sagte sie kämen aus Dänemark. Das war mir aber egal. Von mir aus wäre sie vom Mond gekommen. Fakt ist, dass ich nicht rot geworden bin. Ich spürte zwar dass was hochkommen will, teilweise auch durchdringt, aber sofort wieder weg ist. Alex, was willst du mehr dachte ich mir. Und für den Rest der Heimfahrt war ich überglücklich.

Mein Baseball-Cap war ja für mich auch immer ein Schutz. Eine Zugfahrt ohne Cap war früher unvorstellbar, aber jetzt kein Problem irgendwie, weil ich viel ruhiger bin. Früher als ich jemanden sah oder jemand einen Raum betreten hat, gabs mir direkt einen Stich durch meinen Bauch. Aber das ist nicht mehr der Fall. Bin da nun zu ruhig.

Am Bahnhof zu Hause erwartete mich die einzige Freundin, die von der OP wusste. Es wissen ja nicht mal meine Eltern davon.
Sie hat mich auch gleich etwas getestet und ich fragte ständig ob sie was sehen konnte. Aber sie sagte"NEIN".
Das Gefühl des Rotwerdens kommt noch hoch, aber es ist eben nicht so stark im Kopf und gleich wieder weg.

Was mir gerade etwas Sorgen macht ist mein rechtes Auge, das etwas zuckt. Heute zum 4.mal ungefähr. Aber das hatte ich früher auch manchmal. Ich denke es kommt nicht von der ETS.

Fazit: Für mich hat sich jetzt schon einiges geändert und ich werde am Sonntag nach Mallorca fliegen mit einer Person, die nichts von der OP weiß. Bin gespannt wie ich da überall reagiere.
Danke an alle, die an mich gedacht haben!!

Ich hoffe nun Leben zu können.

Euer


Alex
  


Update von Alex am 27. November 2002

Es betrifft vor allem alle ETS-ler bei denen die OP positiv verlaufen ist. Ich zähle mich natürlich auch dazu*stolz*!
Findet ihr nicht, dass so Situationen, wo man früher errötet ist nun anders sind. Ich meine manchmal denke ich mir, dass ich ohne OP nun auch nicht mehr erröten würde. Das soll aber nun um Gottes Willen nicht heissen, dass ich die ETS bereue. Aber irgendwie bin ich wahnsinnig ruhig.
Erst gestern war ich mit 4 Kolleginnen beim Essen. Ery wäre des öfteren gekommen. Weiß ich ganz sicher. Aber das so wahnsinnig gute Gefühl kommt nicht mehr hoch. Ich denke die meisten ETS ler wissen wie ich das meine.
 
Alles bestens. Nur habe ich seit 1 Woche wieder das Zucken am linken unteren Augenlied. Es ist so alle 4-5 Minuten und dauert so 15 Sekunden. Es fällt nicht so recht auf, aber es macht mir Sorgen. Die gleiche Art von Augenzucken hatte ich gleich nach der OP für so 2 Wochen am rechten Auge.

 


Update von Alex am 15. Juli 2003

Hallo Leute!

Nun komme ich endlich dazu meinen Bericht zu schreiben.
Ich werde mich aber sehr kurz fassen, da ich ja das ganze Jahr über sowieso immer alles Aktuelle von mir berichtet habe.

Meine OP war am 05.06.02. Sie ist auch unter den OP Berichten zu finden.
Anfangs hatte ich starke Probleme mit dem rechten Auge. Das Augenlied zuckte ziemlich oft. Das dauerte ungefähr 15 Sekunden bis sich das Augenlied wieder beruhigt hat. Es wurde leichter nach 3 Wochen, aber plötzlich war es dann das linke Auge.

Meine Hände sind auch heute noch etwas trocken, aber man kann es auch ohne Creme aushalten. Ich kann auch alles anfassen, wie z.B. Papier, usw.

Geschwitzt habe ich anfangs stark. Das wurde aber mit der Zeit immer leichter.
Nun schwitze ich nur noch am Rücken und an den Füßen. Aber nur wenn ich merke, dass „es“ wieder kommen will.
Und es wird eben immer leichter, weil ich keine Angst mehr davor habe, da es ja nicht mehr möglich ist rot zu werden.

Mein Puls ist auch etwas niedrig. Er liegt so bei 45-50. Aber das soll so ganz normal sein sagte mir der Doc.

Meinen Sport(Fußball) betreibe ich immer noch und dabei habe ich auch kein Problem. Nur damit, dass mich meine Freunde in der Halbzeit darauf anreden, dass ich doch mal laufen soll, da ich ja noch gar nicht schwitze ;-) Aber die meinen das nur aus Spaß, da mein Trikot meistens klitschnass ist. Aber eben der Kopf keine einzige Schweißperle hat.

Das Zucken mit dem Auge kam dann manchmal wieder. Es dauerte unregelmäßig lange. Das längste bisher waren so April mal 3 Wochen. Aber es wurde dann wieder leicter und ist nun wieder verschwunden. Ich denke mal das sind die Nerven die noch etwas von sich hören lassen möchten.

Einen Monat lang hatte ich mal Herzstechen. Mal mehr, mal weniger. Da mache ich mir immer große Sorgen. Aber das habe ich auch schon lange nicht mehr.

Ansonsten bin ich natürlich durch die OP ein anderer Mensch geworden und das erste Jahr als „Weißer“ war eines der schönsten überhaupt. Ich konnte endlich alles machen worauf ich Lust hatte.
Somit bekam ich auch die Chance beruflich das endlich zu machen was ich schon immer machen wollte.
Ab September bin ich dann bei der Polizei und da werde ich sicher die ein oder andere Situation geniesen wo Ery gekommen wäre.

Angst habe ich natürlich schon auch noch oft. Was wenn ich 50, 60, 70 oder noch älter bin…
Wenn es wirklich so wird wie der Doc sagt kann ich auch ein langes Leben haben, weil eben der Puls sich immer ruhig verhält. Aber was eben wenn ich alt werde und der Puls noch mal zurückgeht?!?! Naja, das sind Fragen, da werde ich mich später nochmal darum kümmern.

Ich bereue es auf keinen Fall, aber ich weiß nicht ob ich nochmal den Mut hätte, es zu machen.
Ich kann nur jedem der die ETS machen will raten, sich vorher gründlichst über die Nebenwirkungen und allem drum und dran Gedanken zu machen. Es sieht alles leichter aus wie es ist. Und bei jedem endet es vielleicht nicht so optimal wie es bei mir verlaufen ist.
Und wer weiß, vielleicht ist in einem Jahr wieder alles anders und ich habe irgendwelche Beschwerden. Man kann ja nie wissen wie man so eine OP verkraftet.

2 Leuten nochmal meinen größten Dank für das neue Leben! Und zwar Doc Tarfi und Carsten.

Lieben Gruß

Alex
Red Bulle 888