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bericht anna
paroxat

 

 

geschrieben von Anna am 18. Dezember 2002

Hallo,
 
endlich finde ich heute mal die Zeit, etwas über meine Erfahrungen mit der Erythrophobie und Paroxat zu schreiben!
Ich litt etwa 2 Jahre lang an Erythrophobie (teilweise so schlimm, dass ich mich nicht einmal mehr traute aus dem Haus zu gehen. Die Ery kam urplötzlich (so kam es mir jedenfalls damals vor).
Zunächst versuchte ich es mit pflanzlichen Mitteln, mit chinesischen Kräutern, mit Baldrian...die Liste lässt sich auf jeden Fall noch weiter fortsetzen. Jedenfalls half NICHTS.
Schließlich entschloss ich mich, eine Verhaltenstherapie zu machen (Konfrontationstherapie) an der Christoph Dornier- Stiftung in Münster. Ich mußte rot geschminkt durch Münster laufen, mich in der Öffentlichkeit blamieren, eine Umfrage in der Bahn (extrem ätzend!) übers rot werden machen u.s.w. Der Spaß hat im Endeffekt etwa 5.000 DM gekostet; cih muß aber sagen, dass ich zumindest nach der Therapie wieder mehr Hoffnung hatte und auch wieder mehr unter Leute gegangen bin. Doch vermied ich immer noch sehr viele Aktivitäten und konnte immer noch nicht meine Ausbildung weitermachen.
Dann befasste ich mich mit dem Gedanken mit einer ETS. Ich lud meine Eltern zu mir ein und hoffte, sie würden mich mit meiner Entscheidung unterstützen- natürlich Fehlanzeige! Das ganze endete dann in einem mittelschweren Drama, ich heulte und sagte meinen Eltern, dass ich nun gar nicht mehr aus dem Haus gehen würde u.s.w. (Es ging nicht um ein Einverständnis, ich bin 25 - aber eine ETS is ja teuer...)
Jedenfalls mußte ich das Vorhaben erstmal ad acta legen- ich nahm jedoch meinen Eltern das Versprechen ab, es wenigstens im Hinterkopf zu behalten, falls nun gar nichts anderes mehr helfen würde und ich in einem Jahr immer noch so stark an der Ery leiden würde. Ich war danach wirklich verzweifelt-hatte doch alles andere bisher versagt!
Ich begann eine zweite Verhaltenstherapie, bei der mir die Therapeutin riet, immer rot werden zu wollen- es würde dann von alleine weggehen - HAHA! Klar, wie kann ein Ery sich aufrichtig wünschen, rot zu werden?
Nach langem Überlegen entschied ich mich schließlich, eine Neurologin aufzusuchen. Ich wußte irgendwie, dass dies für mich der einzige Ausweg aus der Ery, außer der ETS, sein würde.
Die Neurologin war sehr sehr nett, sie nahm sich bestimmt eine Stunde Zeit für mich und wir entschieden uns gemeinsam für eine medikamentöse Therapie.
Ich war erst sehr skeptisch, hatte Horrorvorstellungen vor "Psychopharmaka"! ("Das nehmen doch die komplett Irren...", "da kann man doch abhängig werden"....))
Sie verschrieb mir ein Medikament namens PAROXAT, wies mich jedoch von vornherein darauf hin, dass es nicht bei JEDEM wirkt (das ist aber bei fast allen Medikamenten so) und das ich gar nichts davon merken würde (zunächst).
ich las mir extra nicht den Beipackzettel durch, weil ich irgendwie Angast hatte, mich in irgendwelche Nebenwirkungen hineinzusteigern. Aber Euch kann ich ja mal einen Auszug daraus zeigen:
 
Anwendungsgebiete:
 
-   depressive Erkrankungen
-   Panikstörung mit oder ohne Platzangst (Agoraphobie)
-   soziale Phobie (Angst, sich vor anderen Personen zu blamieren und daraus resultierendes
    Vermeidungsverhalten)
-   Zwangsstörung
-   ...
 
 
Von den Nebenwirkungen habe ich keine gespürt- anfängliche Mundtrockenheit, das war alles. Ich habe eigentlich erst gar nichts gemerkt und habe daraufhin nach einer Woche die Neurologin angerufen und ihr berichtet, dass ich NICHTS merke.Sie war überhaupt nicht verwundert und hat sich sogar darüber gefreut. Sie sagte zu mir, ich solle einfach abwarten.
Das tat ich dann auch..nach einiger Zeit fuhr ich U-Bahn (früher die Hölle für mich!!!) und merkte zum ersten Mal, dass das Panikgefühl, was sich meist schnell bei mir einstellte, weg war-Ich war ruhig! Mein Puls war relativ normal und ich begann nicht wie üblich zu schwitzen.
Als ich an der Kasse im Supermarkt stand (sonst Hölle!) dachte ich über ein Rezept nach und hatte irgendwie im Gefühl, dass ich was vergessen hatte -  ach ja, du mußt jetzt ja eigentlich Angst haben, rot zu werden! Ich war in diesem moment so glücklich, das war mir ja seit 2 Jahren nicht mehr passiert!
Und so besserte sich stetig mein Befinden. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr rot geworden bin, aber ich fand es nicht mehr sooooo schlimm. Etwas in meinem Denken veränderte sich langsam. Ich begann zu denken:  manche haben ne krumme Nase, manch haben Segelohren- ich werd halt manchmal rot.  Diese Einstellung hat mir sehr geholfen. Trotzdem musste ich mich immer wieder selbst dazu überreden, in die Situationen, vor denen ich vorher Angst hatte, hineinzugehen. Ich begann wieder neu zu lernen.
Ohne Anstrengung helfen auch die besten Medikamente nicht. Man muss sich wirklich in den Arsch treten - aber es lohnt sich wirklich! Meine "Benimmregeln" aus der Therapie haben mir hierbei sehr geholfen.
Jetzt geht es mir wieder richtig gut, ich kann wirklich alles wieder machen und wenn ich manchmal rot werde, find ich es zwar nicht toll, aber ich kann gut damit leben.
Ich möchte auf jeden Fall allen Mut machen, nichts unversucht zu lassen (außer ETS). Vielleicht ist Paroxat nicht für jeden die Lösung und vielleicht werden sogar einige sagen: Oh Gott, das scheiß Mittel?- Mir hat´s auf jeden Fall geholfen, ich bin endlich wieder ein glücklicher Mensch!
 
Liebe Grüße an alle
und viel Glück (und Geduld!) !
 
"Anna"
  

geschrieben von Paulchen Panther am 29. Juni 2003

Hallo Leute !

Vor ca 2 Monaten habe ich mich endlich dazu durchgerungen auch mal Paroxetin (Paroxat) auszuprobieren. Nach ca. 20 Jahren mit Propranolol (Dociton) und ca. 1 Jahr mit Moxonidin (Cynt) wollte ich es nun aber wissen! Ich kann es nur jedem ausdrücklich empfehen es auszuprobieren es lohnt sich absolut. Die ersten 2 Wochen waren sehr stark von Nebenwirkungen überlagert Schwindel, Schlafstörungen, manchmal Übelkeit und Kopfschmerzen. Manchmal glaubte ich auch ich sei nicht mehr ich selbst, stand voll daneben.

1 Woche 10 mg pro Tag, dann gesteigert auf 20mg. Nach 2 Wochen war der Spuk (Nebenwirkungen) vorbei. Rot werden ??? Hä ? Es passiert einfach nicht mehr! Man kann es sich einfach nicht vorstellen. Absolute Stabilität - dass hätte ich nie geglaubt. Hoffentlich bleibts so.

Gruss,
Paulchen