-
bericht noel
"psychotherapie"

 

 

geschrieben von Noel am 26.Juni.2001

Hallo!

Ich bin schon länger passiver Besucher dieser Seite. Mein Leiden mit der Erythrophobie hat so ca. mit 12 Jahren angefangen. Mittlerweile bin ich 21 und leide immer noch darunter. Die Situationen in denen das Erröten auftritt brauch ich nicht aufzählen, denn sie sind identisch mit vielen anderen Erzählungen hier auf der Seite. Ich hab mich jetzt zu einer Psychotherapie überwunden und bin sehr froh darüber. Denn ich mache schon Fortschritte, wenn auch nur sehr kleine und sehr langsam, ab immerhin! Ich merke es wird deutlich besser. Bis ich allerdings ohne Angst und dem damit verbundenen Erröten in der U-Bahn einem Menschen gegenübersitzen kann, wird noch eine Weile vergehen. ETS klingt toll, ich hab mich auch über diese Methode informiert. Aber ich denke es gibt andere, bessere und vorallem sichere Wege mit dem Erröten klarzukommen (z.B.eine Therapie). Sicher ist der schnellste und einfachste Weg, wenn auch nicht gerade der billigste, sich das "rotwerden" einfach "wegzuoperieren". Aber was ist mit dem Risiko bei so einer Operation? Damit meine ich noch nicht mal die Operation an sich, sondern vielmehr die Nebenwirkungen danach. Die sind nämlich weitestgehend unerforscht vorallem auch über längeren Zeitraum, immerhin regelt der Nerv (Sympatikus) der dabei durchtrennt wird, eine Vielzahl von Funktionen in unserem Körper. Okay, ich möchte hier nicht als "Oberschlaumeier" dastehen, viele denken wahrscheinlich anders darüber oder haben die Operation bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Es ist ja auch meine persönliche Meinung, ich habe mich gut darüber informiert und bin zu dem Entschluss gekommen, dass so eine Operation für mich Tabu ist. Ich geh "lieber" (auch wenn es mir sehr schwer fällt) den längeren und dafür sicheren Weg. Ich finde diese Seite wirklich prima und ich bin echt erstaunt wieviele Menschen auch mit diesem Schicksal leben müssen. Das einzigste was ich ein wenig traurig finde ist das hier eingige "ETS-Gegener" wegen ihrer Meinung kritisiert werden! Ich denke die meisten hier sind alle "Ery's" sonst wären sie nicht hier und denke keiner von uns schreibt hier etwas herein was andere bleidigen soll, wir wollen uns ja helfen! Außerdem glaube ich kann es nicht verkehrt sein wenn man das ganze etwas lockerer, ja sogar witziger sieht. Denn das ist wohl auch eines unserer Probleme, dass wir immer alles so ernst nehmen und uns zuviel Gedanken machen.
Viele glauben das "rot werden" ist eine Art Dämon oder Fluch der in uns ist. In dem Sinne: Und wenn "ES" nicht da wäre, wär ich ein ganz anderer Mensch (selbstbewusst, sicher, kontaktfreudig usw.). So hab ich bis vor kurzem auch noch gedacht. Aber schon mal darüber nachgedacht das auch das "rot werden" ein Teil von uns ist? Wir müssen es akzeptieren, und wenn wir es nicht akzeptieren, akzeptieren wir ein Teil von uns nicht. Und wenn man sich selbst nicht akzeptiert kann man sich auch nicht lieben, oder? Ich könnte das jetzt noch so weiterführen, aber ich denke ich belasse es mal dabei.

Zuletzt möchte ich euch allen noch alles Gute für euren weiteren Weg wünschen, egal ob der jetzt ETS oder Therapie,usw. heisst. Und ich hoffe das dieses Forum auch ein offenes Forum bleibt, wo jeder seine Meinung frei äußern kann ohne ausgeschlossen zu werden.

Noel