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bericht naomi
psychotherapie

 

 

geschrieben von Naomi am 25.Juni.2001

Hallo!
 
Ich lese dieses Forum nun schon seit einiger Zeit und wollte nur mal meine Sicht der Dinge darlegen. Also ich kenne das Problem des Errötens nur zu gut, bei mir trat es auch etwa im 12.Lebensjahr auf und ganz befreit bin ich bis heute nicht (23), aber fast! Zudem litt ich lange Zeit auch unter Panikattacken, Platzangst und eben auch unter sozialen Ängsten wie reden vor Publikum, Diskussionsrunden usw. Ich habe dann lange regelmässig eine Psychotherapie gemacht und diese hat mir enorm geholfen. Mein Arzt riet mir auch dringenst ab, eine ETS machen zu lassen und dafür bin ich ihm heute auch unendlich dankbar, denn das löst die Probleme nicht. Vielmehr habe ich in dieser Therapie gelernt, mich so zu akzeptieren wie ich bin, MIT erröten und MIT Angst. Schritt für Schritt habe ich angefangen, diese Sachen zu machen, vor denen ich zurückschreckte (sich in der Klasse äussern, reden in einer Gruppe...) und das tu ich eigentlich auch heute noch. Klar hab ich immer noch vor vielem Angst, klar erröte ich immer noch, obschon längst nicht mehr so wie früher. Ich musste einfach lernen, mich selbst so anzunehmen wie ich bin. Heute steh ich zum Rotwerden und in kritischen Situationen trag ich ein bisschen mehr Puder. Flecken im Ausschnitt hab ich auch, wenn ich mich sehr nervös fühle, doch was solls, die verschwinden auch wieder. Ich finde, niemand sollte seinem Rotwerden so viel Platz im Leben geben, dass es ihn einschränkt. In jedem Beruf - sogar beim Fernsehen - gibt es Leute, die mit Erröten kämpfen und trotzdem erfolgreich sind. Es ist einfach eine Frage, wie man dazu steht. Klar, es ist schwierig, eine lockere Einstellung dazu zu finden. Aber ich empfehle allen, die mit diesem Problem kämpfen eine Psychotherapie. Ich persönlich glaube einfach, dass das Rotwerden sehr viel mit Selbstakzeptanz und -vertrauen zu tun hat. Je mehr man zu sich steht, mit allen Fehlern und Schwächen, desto eher wird sich das Erröten legen. Je mehr man sich unter Druck setzt, eben blass zu bleiben, desto röter wird man. Das Rotwerden geht sicher nicht weg, solange es einen dermassen zentralen Platz im Leben eines darunter Leidenden einnimmt. Mittlerweile beginne ich mich richtig gerne zu exponieren, auch wenn ich nicht immer völlig blass bleibe. Ich hatte immer eine gesunde Farbe und das ist auch gut so. Ich denk ja auch nicht von jedem, der rot wird, dass er ein Idiot ist. Das merk ich oft gar nicht oder es ist mir zu wenig wichtig, um darüber nachzudenken.
 
Also, das wars. Alles Gute,
Naomi