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bericht michi
"selbstheilung 2"

 

 

geschrieben von Michi am 09. Juni 2002

Selbstheilung die 2.


Hi Leute,

ich war seit fast einem halben Jahr nicht mehr auf dieser Seite.
Wieso? Hm, weil ich es satt habe rot zu werden. Und endlich was
dagegen tun wollte, ohne gleich nach Meran zu fahren. Ich bin 
nicht zu 100% geheilt, aber das ist, so denke ich, niemand. 
Nunja für alle die es interessiert wie das geschehen ist möchte 
ich darüber berichten. Vielleicht hilft es Euch.
Also...
begonnen hat alles während ich ca. 18 war und hat sich bis zu 
meinem 22 Lebensjahr verschlimmert. 
Mit 22 bin ich auf diese Seite gestoßen (an dieser Stelle ein Lob an Carsten!) und
habe mich erstmal umfassend informiert, sowie es wohl jeder von Euch gemacht hat. 
Natürlich wusste auch ich nicht,dass Ery eine Krankheit ist. Ich habe mir das Buch "Keine
angst vor dem erröten" (natürlich anonym über Amazon) bestellt und in den ersten Stunden
nach dem es angekommen war gelesen. Naja, dann hat so die Zeit begonnen, wo 
ich täglich/stündlich hier herum hing und Beiträge gelesen/geschrieben
habe. Hm, es war zwar ganz toll endlich mit jmd. darüber zu reden.

Wie dem auch sei, ich habe mich zu einem Sprung ins kalte Wasser 
entschieden. Wie das genau aussah?
Eigentlich ganz einfach, ich habe das gemacht was ich vorher gemieden habe.
Angefangen hat alles mit einer Präsentation die ich halten musste. Ich habe 
mir gedacht es ist doch im Grunde genommen sch***egal, ob ich dabei rot 
werde oder nicht, an der Quälität meines Vortrages ändert sich nichts, außerdem wurden bei uns 
an der Uni viele leicht rot, die Vortragen mussten. 
Nach der Präsentation hatte ich einen sichtlich röteren Kopf als vorher aber angesichts der 
Tatsache das der Vortrag wirklich gut war, war es mir fast egal (er ging über 1 Stunde).

Desweiteren bin ich in einen Sportverein eingetreten, bin in Tanzunterricht ge-
gangen und habe mich gezwungen in Situationen zu gehen, in denen ich mich 
unwohl fühlte (z.B. vor der Kasse im Kaufhaus, Fragen in der Vorlesung stellen, etc.)

Ich denke so wie sich das Rotwerden entwickelt, so kann man es wieder los werden.
Am Anfang gab es kaum Situationen in denen ich rot geworden bin, dann immer mehr, bis ich 
mich nicht mal mehr traute Fragen im Unterricht zu stellen, geschweige den Antworten
zu geben. Ich achtete immer mehr aufs Rotwerden und je mehr ich darauf achtete umso schlimmer
wurde es.
Dann kam eben dieser Punkt, wo ich mir gedacht habe "sch*** drauf - egal" und habe
an etwas anderes gedacht.

Was mir auch aufgefallen ist, was mir geholfen hat ist, dass ich wenn ich unter viel Streß
stand und viel zu erledigen hatte ich gar keine Zeit hatte um über das Rotwerden nachzudenken.

Ein andere Punkt war, dass ich mir bewusst gemacht habe wie es zum Rotwerden kam.
Ich habe mir Gedanken gemacht wann es das erste mal bei mir auftrat.
Während meiner Pubertät hatte ich es komischerweise noch nicht, sondern das Gegenteil war der
Fall, ich stand oft im Mittelpunkt und habe nie ein Blatt vor dem Mund genommen, egal ob vor 
Freunden oder Lehrern.
Das erste mal war bei mir mit meiner Ex-Freundin (wo ich Rotgeworden bin versteht sich), 
mit so ca. 18/19. Sie stellte mir damals irgend so eine Treue-Frage wo ich mir gedacht habe,
dass wenn ich jetzt rotwerde, dann ist alles im A****. Gedacht - getan; ich wurde rot.
Die Folge war natürlich völliges Unverständnis bei meiner Ex, die auch nachdem ich es Ihr er-
klärt hatte einen riesigen Aufstand machte. Naja, seitdem war das Rotwerden eigentlich
geboren ich achtete immer häufiger darauf und machte mir auch während der Schule immer öfter
Gedanken darum...

Mittlerweile habe ich eine Freundin die mir vertraut und mir nicht solche Fragen stellt, wie es 
meine Damalige häufig tat. Ich denke ich bin auch ein wenig selbstbewusster geworden.
Richtig schlimme Rückschläge hatte ich bisher nicht.

Manch einer von Euch wird sich jetzt denken, wenn das so einfach ist warum macht das nicht jeder?
Hm, ich denke, dass es nicht jeder probiert hat und es auch nicht jedem hilft. Es kann sein, das ich Glück
hatte, evtl. weil ich es nur ein paar Jahre hatte. Vielleicht hätte es 10 Jahre später schon so
zu meinem Leben gehört, dass ich mir mein Leben ohne Ery mir gar nicht mehr vorstellen hätte können.

Noch ein kleiner Tip: Fangt doch mit Mitreden im Kurs an, am besten bei einem Lehrer/Dozenten, 
der locker drauf ist und wo es einem leichter fällt Fragen zu stellen oder Antworten zu gebe. Dann bei anderen 
Dozenten/Lehrern, bis Du da angekommen bist, wo ich jetzt bin. 
Wenn Ihr nicht studiert oder zur Schule geht, dann probiert es doch auf der Arbeit mit Mitarbeitern
und/oder Kunden.

Viele liebe Grüße 

Michi

P.S.: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!