-
bericht dora
"der vortrag"

 

 

Geschrieben von Dora am 10.August 2002

Hallo Leidensgenossen

Ich selbst kenne das Problem nur zu gut. Auch bei mir begann es mit der Pubertät und intensivierte sich immer mehr. Es trat hauptsächlich in der Schule auf, bei Meldungen oder Fragen vom Lehrer oder Mitschülern an mich. Aber da ich in der Schule generell nicht so viel gesagt hatte, war es auch noch kein größeres Problem. Dann kamen aber immer häufiger Vorträge und Referate, die von mir erwartet wurden und es war jedes Mal eine Katastrophe. Es fing am Morgen an mit Nervosität und Angst vor dem bevorstehenden Ereignis. Dann am Ort des Geschehens bekam ich öfters Kreislaufprobleme und Herzklopfen, das, je näher mein Vortrag rückte immer stärker und kräftiger wurde... Irgendwann war es dann so weit und ich hatte oft richtige Atemprobleme: Ich konnte kaum atmen mir wurde übel und ich konnte mich nicht mehr auf den Vortrag konzentrieren. Dann stand ich vorne, alle Augen waren auf mich gerichtet, einige schauten neugierig, interessiert, andere eher gelangweilt und genervt. Zu dem Zeitpunkt war mein Problem noch unerkannt bei meinem Publikum, aber dann legte ich los und mein Gesicht fing an zu pochen und ich wusste, dass ich dunkelrot angelaufen war. Dadurch, dass ich einen unsicheren Blick in die Menge wagte um zu gucken, ob man meine Gesichtsfarbe überhaupt bemerkte, wurde ich von meinem eigentlichen Vorhaben einen Vortrag zu halten so stark abgelenkt, dass ich nur noch stotterte und stammelte. Zu dem Zeitpunkt wäre ich am liebsten gestorben und betete innerlich, dass jetzt irgendetwas mich aus dieser Situation rausholte und genau das passierte auch. Der Organisator der Veranstaltung kam sehr souverän ausschauend aber mit einem beruhigenden Lächeln nach vorne zu mir und meinte er wolle ein paar Worte sagen. Dann hielt er einen Vortrag über das Rotwerden. Er sagte, dass er das alles kenne und selber durchgemacht hätte. Dadurch, dass er bei der versammelten Mannschaft sehr angesehen war schienen alle plötzlich Verständnis zu bekommen, was sie zu vor bei meinem versuchten Vortrag überhaupt nicht hatten und der Veranstalt
s noch mal versuchen wollte. Durch einen starken Applaus von wirklich jedem Anwesenden bestärkt beschloss ich es Nocheinmahl zu versuchen. Natürlich wurde ich wieder rot... sehr sogar aber dadurch dass es alle akzeptierten fühlte ich mich freier und konnte mich auf den Vortrag konzentrieren. Hinterher wollte ich trotzdem so schnell wie möglich raus und vermiet es Vorträge zu halten, bis ich diesen Veranstalter wieder traf. Er sagte er wäre ziemlich enttäuscht von mir, dass ich mich nicht mehr blicken lassen habe und fragte, ob es am Rotwerden lag. Dann gab er mir noch viele gute Tipps mit auf den Weg: Der wichtigste ist natürlich: Erfolg und Übung!!!
Wenn du sofort vor einer Riesenmenge stehst und diese Situation neu für dich ist, reagiert dein Körper immer mit Stress! Aber wer klein anfängt... z.b. in der Familie oder bei Freunden, und sich langsam hocharbeitet mit guten Erfahrungen, der hat mehr Selbstvertrauen und weiß, wie er sich am besten verkauft und wie er den Zuhörern am besten begegnet.
Übung ist auch wichtig: Laut sprechen und einen Vortrag oft üben z.b. vorm Spiegel oder vor Freunden! Da du den Vortrag immer wieder etwas anders hältst, kann dir dein Gegenüber sagen, welche Formulierungen und Gestiken am besten wirken. Außerdem findest du schneller wieder in deinen Vortrag hinein, wenn du mal den roten Faden verloren hast!

Die Vorträge, die ich halten musste waren für mich immer leichter zu bändigen und heute habe ich nur noch wenig Probleme damit, vor Menschen zu sprechen. Wenn ich sagen würde: "Das Rotwerden ist völlig weg" würde das nicht stimmen, aber desto weniger ich selber darauf achte, ob und wie stark ich rotgeworden bin, desto weniger rot werde ich auch. Mir haben viele Freunde bestätigt, dass ich immer weniger rot werde.

Was ich damit sagen will: In Wirklichkeit hat mir dieser Veranstalter und viele Freunde geholfen!!! Ich glaube, wenn dieser Veranstalter nicht gewesen wäre, wäre ich aus dem Raum gerannt und hätte niemals wieder einen Vortrag gehalten... und ich hätte wahrscheinlich heute noch Albträume von diesem einen Mal.
Im ersten Augenblick, als darüber gesprochen wurde war es natürlich noch viel peinlicher, aber der Beifall und die Aufforderung weiter zu machen haben geholfen. Ich glaube, dass Menschen viel verständnisvoller sind als wir denken! Man muss es ihnen nur erklären!!! Sonst kapieren sie das Problem nicht, wie auch??? sie kennen es ja nicht und alles was für uns neu ist, ist komisch und fremd. Aber wenn man über solche Probleme gesprochen hat, ist es im Prinzip kein Problem mehr.

Alles GUTE

Dora