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bericht dave
mehrere therapien

 

 

geschrieben von Dave am 24.Februar 2002

Endlich habe ich mich dazu durchgerungen, was zu schreiben!
Ich versuche es so kurz wie möglich zu machen (dennoch möchte ich gleich erwähnen, dass ich bereits schon so manche Therapie gemacht habe (Gruppentherapie, stationäre Therapie usw...), die der eine oder andere von euch vielleicht noch vor sich hat!
Leide seit fast 15 Jahren unter dem Erröten, die Panik, das Fluchtverhalten usw kennt iht ja alle. Scheiße nur, wenn es dann so schlimm wird, dass man die Pausen auf der Schule irgendwann nur noch auf dem Klo verbringt.
Da denkt man schon, wie soll das weitergehen. Da flüchtet man sich halt auf die Uni (in einen Beruf hätte ich nie gehen können). Währenddessen begann ich eine Therapie bei einem Psychotherapeuten. Er schlug mit eine Gruppentherapie vor, damit ich meine Angst überwinde, unter Leuten zu sein und zu sprechen, ohne wegzulaufen (auch wenn das Symptom Erröten auftrifft). Das war schon eine Überwindung; das Beste an der Therapie war aber, dass ich rausbekam, warum der eine oder andere von uns immer errötet und was man selber machen kann. Nur ist die Umsetzung so wahnsinnig schwer. Ich kam zu einigen Erkenntnissen, nur mein Problem wurde ich nicht los. Als mein Studium dem Ende entgegen ging, geriet alles außer Kontrolle (Panik, wie geht es weiter, kann doch in keinen Beruf und sowieso; was hab ich noch vom Leben mit diesem scheiß Problem, usw...)
Die Lage spitzte sich zu, selbst mit meinen Eltern konnte noch nicht darüber reden. Als ich kurz vor dem Selbstmord stand, lief ich zu meinen Eltern und erzählte ihnen alles, was ich die letzten 10 Jahre so durchgemacht habe...
Sofort kam ich in eine stationäre Therapie, 6 Wochen (psychosomatiche Klinik).
Dort habe ich gemerkt, dass ich zumindest unter den Mitpatienten keine Probleme habe, und habe das Zwischenmenschliche genossen. Leider war das nach dieser Kur auch schon wieder vorbei. Ich kam dann für 3 Monate auf eine psychotherapeutische Station in einer Psychatrie: Dort konnte ich von Vorneherein relativ gut mit den Mitpatienten umgegehen ohne Panik sprich ohne zu Erröten. Also nur, weil ich mir dachte, hier kannst du ruhig rot werden, hier ist es doch egal. Und dann passiert es natürlich nicht. Und das ist der Schlüssel zum Glück. Wenn man es zulässt, wenn es einem egal wird, rot zu werden, dann tritt es nicht auf. Aber dies umzusetzen, ist höllisch schwer.
Die Therapeuten veranlassten, das ich aufgrund meines schweren Problems eine überbetriebliche Ausbildung mit entsprechender Betreuung machen kann.
So war zumindest meine berufliche Zukunft gerettet. Das mache ich jetzt seit einem Jahr, und ich sage euch, weil dies ja auch wieder in einem mehr oder weniger gschützten Rahmen war, hatte ich keine Probleme: im Gegenteil!
Ich habe mich zum esten Mal selber kennengelernt, habe Diskussuionen geführt, meine Meinung gesagt, es war einfach herrlich. Vom Erröten keine Spur mehr!
Dann musste ich ins Praktikum (für ein halbes Jahr) in ein normales Unternehmen. Ich wunderte mich selber, dass es so gut funktioniert, war sogar voll cool drauf. Nach einiger Zeit ging es aber so langsam wieder los mit dem Rotwerden: Anfangs in Extremsituationen, dann irgendwann immer mehr, und jetzt bin ich schon wieder so weit wie vorher.
Klar, mir wurde irgendwann bewusst, dass ich den gschützten Rahmen verlassen habe: Was sollen meine Mitarbeiter denken, wenn ich plötzlich hochrot vor ihnen stehe, bloß keine Schwäche zeigen, du willst doch später übernommen werden usw.
Tja, und das war der Fehler. Ich weiß genau wodran es liegt, kann aber selber im Moment nichts dagegen unternehmen.
Vielleicht packt der eine oder andere von euch zu denken nach dem Motto:
"scheiß egal was die Leute denken, wenn ich rot werde", dann seid ihr auf dem richtigen Weg.
Je mehr mann sich dagegen wehren tut, umso schlimmer wird es.
In meiner Familie hab ich keine Probleme mehr. Klar, die wissen ja jetzt bescheid, und ich muss mich nicht mehr gegen das Erröten wehren, und so passiert es einfach nich mehr.
Hätte ich von Anfang an meinen Freunden alles erzählt, hätte ich eine 100 mal schönere Jugend gehabt! Nur war es für mich damals nicht möglich und zog ein isoliertes Leben vor.
Für meine Zukunft habe ich vor, zum Beispiel auf der Arbeit, es jedem gleich zu erzählen, damit ich es leichter habe.
Aber trotzdem kann man lernen damit umzugehen, es gehört halt zu einem. Redet mit Leuten über euer Problem, und zumindest bei denen seid ihr es los. ...

Egal was noch kommen wird: Aufgeben tue ich mich nicht mehr.

Dave