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bericht chandler
ärzte: dr. tarfusser

 

 

geschrieben von Red Alert am 19. März  2003

So nachdem mir die Berichte hier auf der Seite bei meiner Entscheidung zur ETS ziemlich geholfen haben will ich jetzt auch mal meine Erfahrungen kundtun.
Meine OP war am 16.12.02 bei Dr. Tarfusser.
Zu der ganzen Prozedur und dem Aufenthalt schreibe ich mal nichts mehr. Das wurde ja schon oft genug erzählt. Die OP ist bei mir allerdings nicht ganz problemlos verlaufen, da Dr. Tarfusser die Klammer auf der linken Seite zu tief gesetzt hatte, weil ich wohl einen sehr ungewöhnlichen Brustkorb habe. Jedenfalls wurde das erst nach dem Röntgen festgestellt und ich musste dann einige Stunden später noch mal in den OP um die Position der Klammer zu korrigieren. Beim zweiten mal lief dann zum Glück alles glatt und die Klammer saß richtig. Später hat Dr. Tarfusser erzählt er hätte während der 2. OP noch mehrere Male Röntgen müssen um wirklich sicher zu sein. Scheint also wirklich kompliziert gewesen zu sein und ich war hinterher heilfroh das ich mich für Dr. Tarfusser entschieden hatte. Denn wenn er mit seinen Jahrzehnten an Erfahrung schon solche Probleme hat, wie wäre es dann wohl einem unerfahreneren Arzt ergangen?
Die ersten Wochen nach der OP waren leider nicht besonders angenehm. Ich hatte vor der ETS einen recht hohen Herzschlag von ca. 90. Danach ist er ziemlich stark abgefallen auf ca. 60 im Ruhezustand. Also eigentlich noch im normalen Bereich, aber mein Körper hatte wohl Schwierigkeiten sich darauf einzustellen. Jedenfalls war ich die erste Woche völlig fertig. Wenn ich morgens aus dem Bett gekommen bin, hätte ich mich eigentlich gleich wieder reinlegen können, so schlapp war ich. In dem Zustand war ich eigentlich zu kaum etwas anderem in der Lage als auf dem Sofa zu liegen und dementsprechende Panik bekam ich dann auch nach einiger Zeit. Als ich mit Dr. Tarfusser telefonierte sagte er mir das mein Körper sich mit der Zeit umstellen wird damit mein Herz, was jetzt langsamer schlägt, eine größere Menge Blut pro Schlag pumpen könnte und ich einfach Geduld haben sollte.
Glücklicherweise besserte sich mein Zustand wirklich nach einiger Zeit und inzwischen merke ich fast gar nichts mehr von Müdigkeit oder Schlappheit.
Meine Handinnenflächen sind wie erwartet warm und trocken, aber mit gelegentlichem eincremen kommt man ganz gut damit klar. Allerdings gestaltet es sich jetzt deutlich schwieriger bei einem Buch oder einer Zeitschrift die Seiten umzublättern.
Das kompensatorische Schwitzen ist zwar spürbar, aber es lässt sich damit leben. Ich merke es sowohl bei körperlicher Betätigung, als auch in Situationen, wo ich nervös werde oder mich unwohl fühle. In richtigen Extremsituationen in denen ich früher rot geworden wäre, wie z.B. ein Referat zu halten wird es sogar richtig stark. Dann sind meine Beine und mein Rücken in der Regel völlig nass. Aber das ist mir wirklich noch zigmal lieber als rot zu werden. Wie schlimm es wirklich ist, kann ich aber wohl erst im Sommer sagen.
Meine Füsse schwitzen seither allerdings erheblich mehr als vorher. Dafür hat mir mein Arzt Antihydral empfohlen. Das ständig zu benutzen ist zwar nervig, aber immerhin hilft es.
Eine Nebenwirkung mit der ich aber wirklich nicht gerechnet hätte ist eine seltsame Schwäche in beiden Armen und dazu zittern auch noch meine beiden Hände.
Die Schwäche in den Armen ist allerdings nicht besonders stark und stört nicht im täglichen Leben. Inzwischen habe ich mich auch schon so daran gewöhnt das sie mir kaum noch auffällt.
Zu dem Zittern sagte mir Dr. Tarfusser das es bei sehr wenigen Patienten auftritt und in der Regel innerhalb von Wochen oder Monaten verschwindet und ich hoffe wirklich das er Recht hat, denn es stört mich doch ungemein.
Nicht nur das es unangenehm ist wenn ich mit anderen am Tisch sitze und meine Gabel nicht stillhalten kann, es behindert auch ziemlich bei manchen Tätigkeiten.
Wenn das Zittern also wirklich noch verschwinden sollte, kann ich die ETS nur als Erfolg bezeichnen, denn ich bin seither nicht ein einziges Mal rot geworden.
Seltsamerweise wurde ich aber nach meinen ersten positiven Erlebnissen nicht euphorisch wie ich es eigentlich erwartet hatte. Wahrscheinlich weil ich meine alten Verhaltensmuster viel zu sehr verinnerlicht habe, als das ich jetzt wirklich normal leben könnte. Aber jetzt ist wenigstens die Grundlage geschaffen um etwas zu verändern und ich bin froh das ich mich so entschieden habe.

 
Chandler