-
bericht anett
arzt: dr. tarfusser

 

 

Geschrieben von Anett am 18. März 2001

Bin 26 Jahre alt und leide seit mehreren Jahren unter dem erröten, besonders unter der "Angst vor dem erröten" ! Die Angst begleitet mich täglich, angefangen auf dem Weg zur Arbeit, wo ich oft schon Hitzewallungen bekomme ohne Grund, und merke wie ich erröte!!
Die Angst ist den ganzen Tag da , mal mehr mal weniger ( auch abhängig nach Tagesform )
Weiss gar nicht mehr, wie das angefangen hat, ich denke es kam schleichend, und je mehr ich darüber nachgedacht habe bzw. ab dem Tag wo ich vielleicht auch mal darauf angesprochen wurde, begann der Teufelskreis.
Ich bin ein geselliger und aufgeschlossener Mensch, habe mich aber ziemlich zurückgezogen
aus dem Grund ! Der Tagesablauf dreht sich nur um , hoffentlich erröte ich heute nicht und selbst jede Kleinigkeit z.B. zum Bäcker gehen, in der Schlange stehen wird zum
Psychoterror für mich. Selbst im normalen Gespräch mit Leuten erröte ich, auch bei meinen Freundinnen, egal ob fremd oder vertraut!Das macht mich alles so unwarscheinlich traurig und unglücklich! Anlässe wie Feiern , Veranstaltungen, gesellige Abende , wo mehrere Leute sind und man auch mal im Mittelpunkt steht sind für mich die Hölle . Teilweise habe ich Termine abgesagt aus Angst.. Auch wenn auf der Arbeit Besprechungen anstehen ,kann ich tagelang vorher nicht schlafen, aus Angst,dass ich einen roten Kopf bekommen und alle gucken mich an . Es ist eine innerliche Anspannung die einen psychisch ziemlich kaputt macht.
Jetzt habe ich euch etwas über mich erzählt, wie ich mich fühle. (FÜHLTE )

Die ETS , die ich vor 3 Wochen habe machen lassen , hilft mir , wieder ein NORMALES Leben zu führen.Ich möchte Euch darüber etwas erzählen, um den zu helfen , denen es so ergeht und die so fühlen , wie ich oben beschrieben habe.

Nach einem intensiven Gespräch per Telefon mit Dr. Tarfusser ( am besten zu erreichen zwischen 10.00 - 13.00 Uhr )habe ich innerhalb von 2 Wochen einen Operationstermin erhalten. Als Vorbereitung sollte ich ein Blutbild und ein EKG mitbringen.

Einen Tag vor der Operation machte ich mich auf den Weg nach Meran.Mein Freund, dem ich mich vorher anvertraut hatte, begleitete mich. Das Hotel , in dem wir übernachtet haben heisst Villa Maria und befindet sich in der Nachbarstrasse zur Privatklinik ( Cavourstrasse)
Eine Übernachtung kostet pro Person 75,00 DM ohne Frühstück.
Am Operationstag sollte ich mich um 9.00 Uhr in der St. Anna Klinik einfinden. Die Klinik ist ein kleines Privathospital in der Nähe des Zentrums von Meran. Die Atmosphäre ist sehr freundlich und angenehm , und jeder spricht, wie auch sonst in Meran wenigstens etwas deutsch, so daß die Verständigung überhaupt kein Problem ist.Nach dem einchecken ( Personalausweiss nicht vergessen ) wurde ich auf die Krankenstation in die 1. Etage geschickt. Nach ca 1 Stunde Wartezeit habe ich Dr. Ivo Tarfusser kennengelernt( ein sehr netter und ruhiger Mann ) und hatte mit ihm noch ein weiteres Gespräch, , wobei noch mal offene Fragen beantwortet wurden und ich über die Risiken des Eingriffs , insbesondere das kompensatorische Schwitzen hingewiesen wurde.Das kompensatorische Schwitzen tritt stärker bei Patienten auf , die Probleme mit Schweiss haben als die " Errötungspatienten" . Danach wurde ich in mein Zimmer geführt, wo ich den Narkosearzt Dr. Friedrich kennenlernte., dem ich dann mein Blutbild gab . Nach einer weiteren Untersuchung zog ich das Operationshemd an und die Trombosestrümpfe. Ich wurde in den Vorraum vom OP gefahren .Nach kurzer Wartezeit bin ich in den OP Raum gegangen und musste mich auf den OP Tisch legen.. Ich hatte schon etwas Angst, aber ausser das picksen der Narkosespritze habe ich nichts gemerkt.
Ca 2 Stunden später bin ich aus der Narkose aufgewacht. Die Narkose lies langsam nach und ich war ziemlich schlapp. Stundenweise wurde der Puls gemessen .und das Pflegepersonal hat sich rührend gekümmert.Ich hatte noch ziemliche Schmerzen in der Brust und Probleme beim luftholen, was nach Einnahme von Schmerzmitteln besser wurde. Ich hatte nach der Operation angenehm warme Hände und meine Wangen waren kühl.Es war ein tolles Gefühl.
Vorher hatte ich immer eiskalte Hände, die Leute hatten sich teilweise erschrocken.
Dr. Ivo Tarfusser und Herr Friedrich schauten nach mir und erkundigten sich nach meinem Zustand.Für die Nacht bekam ich Schlaftabletten . Am nächsten Tag ging es mir schon besser, war nicht mehr so gerädert ! Nach einem kurzen Gespräch mit Dr Tarfusser konnte ich meine Sachen packen und nach Hause fahren! Habe an der Rezeption meine Rechnungen beglichen, es waren insgesamt 3 Stück. Eine für Dr. Tarfusser, eine für den Narkosearzt und eine für das
Krankenhaus . Insgesamt habe ich ca 5300, DM bezahlt.( per Eurocheque )!
Als wir auf dem Nachhauseweg bei MC Donald anhielten habe ich mich in der langen Schlange angestellt ( war vorher totaler Horror für mich), anstatt wie sonst bei MC Drive anzuhalten! Es war irgendwie anders . Ich merkte meine innere Unruhe und spürte, wie die Hitze in mir hoch stieg,. Ich fasste an meine Wangen und sie waren kühl. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Die Hitze blieb mir im Hals stecken und kam nicht im Kopf (erröten )
an. Ich hätte vor Glück an die Decke springen können. Ich nahm meine Pommes, setzte mich in die Menge und aß genusslich meine Pommes. Da wurde mir klar, dass es wohl vorbei sein wird.
Als ich 2 Tage später wieder zur Arbeit fuhr war ich gespannt ohne Ende. Auf dem Weg dorthin hatte ich eine Hitze im Bauch, die ich mit einem Lagerfeuer beschreiben könnte, sie kam aber oben nicht an. Immer wieder fasste ich an meine Wangen und sie waren kühl.
Ich habe nach und nach die Situationen getestet, wovor ich Angst hatte.
Habe mich länger mit Kollegen und Kunden unterhalten und intensiven Augenkontakt gehalten.Ich merkte, wie die Angst langsamer wurde und meine Wangen immer noch angenehm kühl waren. Die schlimmste Situation war , wo wir spontan eine Besprechung mit ca 30 Leuten hatten ( wäre für mich vorher unvorstellbar gewesen )
Ich sagte mir ganz cool bleiben und ging gelassen hinein. Habe mich wohl gefühlt und die Geselligkeit genossen. Dies war schon eine Extremsituation und ich bin nicht ROT geworden.
Es gibt Situationen , wo ich stark nachdenke oder ziemlich viel um die Ohren habe, da habe ich leicht warme Wangen ! Ich muss sagen , dass ich von Natur schon rote Wangen habe, und dieses bisschen Wärme haut mich dann nicht aus der Bahn.
Vor der ETS hatte ich in solchen Situationen teilweise ein knallroten Kopf und ein brennen auf den Wangen, daß sich teilweise erst nach einer Stunde oder länger abkühlte!
Ich errötete mehrmals täglich !
Seitdem bin ich noch NIE WIEDER ROT geworden!
Das ist jetzt erst 3 Wochen her und mir kommt es schon wie eine Ewigkeit vor, weil ich schon so viel erlebt habe.Ich gehe in die Situationen und geniesse sie. Vor allem die sozialen Kontakte. Ich merke, wie die Angst langsam weniger wird und jede Situation ist noch ein Test für mich.
Zum kompensatorischen Schwitzen muss ich sagen, dass es sich in Grenzen hält.
Ich schwitze etwas mehr an Achseln und Bauch. Als ich neulich beim Sport war , war mein Bauch klitschnass. Damit kann ich aber gut umgehen .
Das Selbstbewusstsein ist auch stärker geworden , eigentlich muss ich sagen ,dass es eine 100% Besserung für mich ist. Wenn man bedenkt, dass ich 5300 DM dafür bezahlt habe, das ist zwar eine Menge Geld , aber Lebensqualität und Selbstbewusstsein sind nicht käuflich
und dafür ist der Preis doch sehr niedrig!
Ich hoffe, dass mein Befinden so bleibt. Ich möchte hier keine Werbung für die ETS machen,
ob jemand die Operation macht oder nicht muss jeder selbst sehen und diese Entscheidung als letzten Ausweg nehmen. Ich möchte mich ganz herzlich bei meinem lieben Freund bedanken, der mich so liebevoll unterstützt hat und den ich über alles LIEBE!
Wenn Ihr noch irgendwelche Fragen habe solltet meldet Euch!

Anett